Misslungener Start in die Rückrunde
Der Rückrundenstart begann früher, als es dem einen oder anderen lieb war. Um fünf vor halb elf traf sich das Herren 1 der Legion Wasserschloss – wobei „traf sich“ schon fast ein Kompliment ist. Die Schlossbergplatz-WG, die eigentlich geografisch im Vorteil wäre, musste einen Warm-up-Sprint vom Feinsten hinlegen, nur um nicht bereits vor dem Spiel die erste Strafe wegen Zuspätkommens einzufangen. Sagen wir: Die Lungenkapazität war früh aktiviert, und damit hatte sich das Thema Aufwärmen für die drei Jungs eigentlich erledigt.
Nach dem obligatorischen Zwischenhalt im Coop Pronto fuhr man Richtung Uster. Dort wartete nicht nur der Gegner, sondern auch ein ehemaliger Teamkollege Namens Miro, der zu Beginn der Saison dorthin wechselte, um „sich sportlich weiterzuentwickeln“. Wobei „weiterentwickeln“ etwas hoch gegriffen ist – die meisten von uns wissen, dass seine grösste Entwicklung nach wie vor im Bereich der Ausreden stattfindet. Trotzdem ist er uns ans Herz gewachsen, und besonders zu seinem früheren Nationalteamkameraden Lukas pflegt er noch engen Kontakt – und das sollte an diesem Tag noch eine wichtige Rolle spielen.
In Uster angekommen, gab es wie immer den Pre-Game-Walk im gefühlten Sibirien bei 0°C. Der Wind war so kalt, dass sich nicht nur die Goalies Gedanken über Handschuhe machten. Wieder in der Halle angekommen und eingewärmt, begann das Einschiessen, welches richtig gut war. Jeder Abschluss wurde zelebriert, jeder Block gefeiert, und bereits da war klar, dass das Team zumindest emotional bereit war, die Auswärtshalle zu übernehmen.
Das erste Drittel begann dann auch genauso, wie man es sich gewünscht hatte. Die Legion übernahm das Spieldiktat, kontrollierte den Ball und generierte früh mehrere gefährliche Abschlüsse. In der siebten Minute nahm sich Julian – auch als Hobby-Slalomläufer bekannt – ein Herz, wackelte durch die Uster-Abwehrstangen und traf souverän zum 1:0. Die Antwort von Uster darauf kam in Form einer Strafe wegen Stockschlags, welche vom Powerplay der Legionäre leider nicht genutzt wurde. Und so rächte es sich wenig später: In der 18. Minute kam der Ausgleich, bevor nur Sekunden danach Meindl – perfekt freigespielt von Sascha – das 2:1 erzielte. Ein Treffer, bei dem Sascha so präzise assistierte, dass man sich fragte, ob er diesen Pass schon am Vorabend im Schlaf geübt hatte.
Kurz vor Drittelsende kam es dann zu einer Szene, die man so auch nicht jeden Sonntag sieht. Ein hoher Ball senkte sich Richtung Kopf von Sascha Baumgartner, der mit einer Mischung aus Reflex und gesundem Selbstschutz versuchte auszuweichen, den Ball aber trotzdem leicht touchierte. Es reichte, um ihn für zwei Minuten auf die Strafbank zu schicken und die Frage aufzuwerfen, wie nahe man einem Ball kommen darf, ohne ihn zu berühren. Die Antwort: offenbar weniger nahe, als Sascha dachte.
Trotz Unterzahl startete man nach der Pause solide ins zweite Drittel und überstand das Unterzahlspiel. Doch Uster kam nun besser ins Spiel und nutzte nacheinander mehrere Konter, die beinahe wie Kopien zueinander abliefen. Drei, vier Pässe, ein freier Mann – und plötzlich stand es 5:2 für die Gastgeber. Die Coaches reagierten und reduzierten auf zwei Linien, was sofort Wirkung zeigte: Meindl traf zum zweiten Mal und verkürzte auf 5:3. Die Hoffnung hielt allerdings nicht lange, denn unmittelbar danach fiel das 6:3.
Im letzten Drittel war klar, dass man nochmal alles geben musste. Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten vollendete Lukas Meindl seinen Hattrick. Ein weiterer Treffer, der nicht nur die Legion jubeln liess, sondern auch intern das kleine, aber feine Duell zwischen Meindl und Miro entschied. Inoffizielles Endresultat dieses Vergleichs: Lukas 3 – Miro 0. Und das wird Lukas ihm wahrscheinlich noch bis 20xx unter die Nase reiben.
Doch die Partie wurde hitziger. In einer intensiven Aktion erwischte Dylan seinen Gegenspieler etwas zu energisch, was zu einer Strafe führte, die Uster eiskalt ausnutzte. Auch das Risiko mit dem sechsten Mann in der Schlussphase brachte keinen Erfolg, und so landete der Ball kurz vor Schluss noch ein letztes Mal im verlassenen Tor zum 8:4.
Am Ende stand ein Resultat, das deutlicher aussieht, als der Spielverlauf oft war.
Die Legion zeigte starke Phasen, gefährliche Abschlüsse, ein konzentriertes Einschiessen und mit Meindls Hattrick ein persönliches Highlight. Gleichzeitig wurde klar, wo man nachjustieren muss – und dass man spätestens beim Heimspiel nächste Woche wieder angreifen will.
Bereits am kommenden Sonntagabend geht es in der heimischen Mülimatt gegen den ESV Eschenbach weiter. Der Verein sorgt mit einem Glühweinplausch für die passende Atmosphäre, und das Team freut sich auf jeden Zuschauer, der den Weg in die Halle findet – ob wegen dem Glühwein, wegen dem Unihockey oder wegen beidem spielt am Ende keine Rolle.